INTERVIEW

Zwei der besten Percussionisten ihrer Generation, ein perfekt eingespieltes Percussionduo, das sind Victor Kraus und Martin Frink. Mit KrausFrink Percussion haben sie 2006 ein Ensemble aus der Taufe gehoben, das in seiner Form einzigartig ist. Ihre große Musikalität, gepaart mit virtuoser Technik und einem besonders hohen Maß an Bandbreite und Flexibilität, hat sie bisher u.a. auf die Bühnen diverser Festivals in Europa oder der Berliner Philharmonie gebracht. Hier Auszüge eines Gesprächs geführt mit Bernard Weis, Philosophieprofessor am Gymnasium : Lycée Classique de Diekirch inLuxemburg.

BW: Welche von euren gemeinsamen Erlebnissen gehören zu den prägnantesten?

MF: Da wir sehr unterschiedliche musikalische Projekte gleichzeitig betreiben, gibt es natürlich auch sehr verschiedene Projekte die einem in Erinnerung bleiben. Da fällt mir als Erstes ein Auftritt in Saarbrücken ein. Ausverkauftes Haus und wir hatten ein Stück im Programm welches wir kurz zuvor neu arrangiert hatten. Das sind sehr spannende Momente, wenn man vor 1300 Menschen ein neues Arrangement ausprobiert. Es lief alles wunderbar und wir hatten einen aussergewöhnlichen Glücksmoment. Einen weiteren besonders schönen Auftritt hatten wir im Rahmen der Karlsruher Stummfilmtage, wo wir einen 100 minütigen Film von René Clair live begleitet und dabei zum aller größten Teil improvisiert haben. Bei diesem Erlebnis hatte ich die ganzen 100 Minuten lang zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, wir hätten auch nur für zwei Sekunden die Spannung verloren. Das hat während des Spielens so dermaßen viel Freude gemacht, dass Ich das Gefühl hatte, wir spielten die ganze Zeit mit einem enormen Grinsen auf dem Gesicht. [VK lacht]

VK: Da Martin gerade das Improvisieren anspricht: Vor kurzem haben wir an einer Filmproduktion des Vogl & Hentschel Filmateliers in München mitgearbeitet bei der wir ebenso die improvisatorische Form gewählt haben. Es war deshalb ein herausragendes Erlebnis weil ich gemerkt habe wie dieses - mittlerweile gut 4 Jahre alte - Zusammenspiel auch in dieser Form des spontanen Spielens seine Früchte trägt. Mann kennt denn anderen, man kann ihn spüren und riechen. Dieses spontane Spielen ist äußerst spannend weil man sehr genau auf einander hören muss, viel mehr noch als wenn man nach Noten spielt, da dabei im Moment die Musik kreiert wird.

BW: Welche Rolle spielt KrausFrink Percussion in euerem Leben?

MF: Es spielt eine sehr gewichtige Rolle. Ich habe mir schon immer vorgestellt auf lange Dauer mit jemandem in einem Ensemble zu spielen und diese Chance will ich einfach nutzen. Deshalb gebe ich Allem, was mit unserem Duo zusammenhängt, einen sehr hohen Stellenwert. Ich plane da sehr langfristig und gehe davon aus, dass wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ich das auf jeden Fall noch so lange wie es irgendwie machbar ist, weiter treiben werde.

VK: Von der professionellen Seite aus spielt KFP für mich auch eine sehr gewichtige, ich würde schon fast sagen die gewichtigste Rolle überhaupt. Das ist die Stelle in meinem Leben wo ich künstlerisch am meisten gefordert bin. Außerdem bin ich hier mein eigener Chef. Natürlich sind wir zu Zweit, beide gleichgestellt, jedoch gibt es niemanden der über uns steht [lacht].

BW: Sein eigener Herr zu sein ist sehr wichtig? [MF nickt zustimmend]


VK: Es ist schön, selbst verantwortlich für seine eigene Sache zu sein.


BW: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

MF: Ich wünsche mir zum Einen, dass die Entwicklung die unser Duo jetzt genommen hat auf jeden Fall so weiterlaufen wird und sich daraus eine noch viel fruchtbarere und erfolgreichere Zusammenarbeit ergibt als sie es jetzt schon ist. Zum Anderen wünsche ich mir generell für die Musikszene, dass einfach mehr Mauern eingerissen werden und mehr Toleranz unter den Musikern herrschen kann. Dass es bestimmte Intoleranzen von Seiten des Publikums gibt ist vollkommen klar, da es ein sehr langwieriger Prozess ist diese abzubauen. Normalerweise sollte es verständlich sein, dass es solche Intoleranzen unter den Musikern erst gar nicht gibt, aber die gibt es einfach de facto ganz extrem.
Obwohl Musikmachen etwas sehr universelles ist wird alles Mögliche kategorisiert und es gibt ganz bestimmte Musikrichtungen über die sich jeder exklusiv identifiziert. Als Hip Hopper muss man weite Hosen tragen, als Metaller muss man ein schwarzes T-Shirt und lange Haare haben und als Klassiker muss man auf jeden Fall Seitenscheitel tragen und geschniegelt auf die Bühne gehen.
Damit hängt zusammen, dass ich ein vollkommener Gegner der Unterteilungen in U- und E-Musik bin, was ja diesen Musikrichtungen noch übergeordnet ist. Mein Credo war und ist immer: Ernste Musik soll unterhaltsam sein und unterhaltsame Musik muss ernst betrieben werden, wobei ernsthaft und unterhaltsam noch genauer definiert werden müssten. Jeder der sich in der klassischen Musik zu Hause fühlt sollte wissen dass es in allen anderen Musikbereichen, von Techno bis Volksmusik, sehr hochwertige Musiker und Musik gibt. Und genau so muss jeder der sich in der Popmusik zu Hause fühlt einfach wissen, was es bedeutet Kammermusik zu machen, klassische Musik zu machen: Musik zu interpretieren die man von Noten spielt. Das sind sehr verschiedene Paar Schuhe, man sollte jedoch an der Stelle einfach ein gewisses Maß an Hintergrundwissen haben.

VK: Oft wird ja das "nach Noten spielen" belächelt: Da steht ja schon alles in den Noten, wo bleibt denn die Kreativität... Man könnte es etwa mit Schauspielerei vergleichen: Der Schauspieler hat auch seinen Text und seine Rolle die er interpretieren muss. Wir sind, wenn wir beim Recital bleiben, ausführende Künstler.
Die Perkussion hat sich in den letzten Jahrzehnten aus den hinteren Reihen heraus emanzipiert. Es geht mir darum, dass es die Leute sie kennen lernen und merken wie faszinierend das ganze Perkussionsrepertoire und die ganzen Schlagzeuginstrumente und Klänge sein können. Die Form des Perkussionsduo ist wirklich faszinierend und noch sehr jung. Es ist für uns genauso eine Entdeckungsreise wie für Andere auch. Ich fände es schön dieses Entdecken mit den Menschen zu teilen.


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